Konrad & Bernd Fischer

Die zwei Fischer von Möltenort

Konrad und Bernd Fischer – Fisch haben sie beide – aber sonst sind sie sehr verschieden

Fischkutter gibt es manche im Heikendorfer Hafen Möltenort, aber nur einen Fischbratkutter und der heißt „Elke“. Er liegt friedlich am Steg des kleinen Hafens an der Kieler Förde. Drei Stufen geht es hinab in seinen Bauch und damit ins Revier von Konrad Fischer. Fischer, so heißt er – und Fischer ist er auch. Zumindest montags und dienstags. Dann fährt er mit seinem Zweitkutter „Maria“ hinaus, fängt Dorsch und Schollen, Heringe und Flundern. Nachschub für Elke, damit sie von mittwochs bis sonntags ihrem Titel Fischbratkutter alle Ehre machen kann. Manchmal legt zwischendurch am Nachbarsteg ein Kutter namens „Tümmler“ an. Gleich vis à vis vom Fahrkartenschalter der Fördeschifffahrt. Der Mann im Ruderhaus ist Konrad Fischers Cousin. Er heißt auch Fischer, allerdings Björn mit Vornamen und ist Garant für frischen Fisch. Denn wenn er von seiner Fangtour wieder in die Förde zurückkommt und Möltenort anläuft, dann hat er per Internet schon angekündigt, wann er anlegt und was er an Bord hat: Dorsch natürlich, oft schon sorgfältig filetiert, Plattfische, Makrelen und im Dezember auch Lachs, denen er mit Treibangeln östlich von Bornholm nachstellt. Björn Fischer führt ein unregelmäßiges Leben.

Die Förde im Blick: Der Hafen von Möltenort hat Platz für Yachten und für Fischerboote. Und frischen Fisch gibt’s hier auch. Es kommt auf den Fang an, wann er die Heimreise antritt. Umso praktischer für Einheimische und Gäste, wenn sie rechtzeitig davon erfahren und ihre nächste Fischmahlzeit einplanen können. Zwei Fischer, zwei Konzepte, ein Familienname und doch zwei Typen von sehr unterschiedlichem Zuschnitt. Konrad, der fischende Wirt, erzählt gern und manches klingt sehr nach Seemannsgarn. Er lächelt verschmitzt unter dem Schirm seiner Mütze, zapft dazu in aller Ruhe ein, zwei Bier und hat es vor ein paar Monaten zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Denn da ging ihm eine Flaschenpost ins Netz – 100 Jahre alt und nie aus dem Wasser gezogen. Die wohl älteste der Welt. „Klar, dass das Schlagzeilen machte“ sagt er, grinst und rückt sich seine blaue Latzhose zurecht. Die Zeitungsausschnitte hat er sich gerahmt und an die Wand seines Fischbratkutters gehängt. Schlagzeilen hat sein Cousin Björn von „Tümmler“ noch nie gemacht. Will er auch nicht. Er will lieber in Ruhe fischen und sich um die Sorgen seiner Berufskollegen kümmern. Deshalb ist er auch im Vorstand der Fischereigenossenschaft und erster Vorsitzender des Fischereivereins Möltenort. Dabei folgt er Vater Siegfrieds Spuren. Der 76-jährige geht seinem Sohn auch heute noch zur Hand und ist dabei, wenn aus dem Kutter für ein paar Stunden ein schwimmender Verkaufsstand wird. Björn Fischer: „Klar habe ich Stammkunden. Aber auch die Touristen kommen vorbei – schließlich bekommen sie nirgends frischeren Fisch als von unseren Kuttern.“ Sagt’s und packt vier ausgewachsene Filets in eine Tüte. Die letzten zwei warten im Eis auf den nächsten Kunden. „Der wird sich wohl bescheiden müssen“, stellt der Kutterkapitän fest, greift nach der Kaffeetasse und fährt fort: „Mehr is’ nicht da. Bei mir gibt es eben nur den Fisch, der mir selbst ins Netz gegangen ist.“ Da ist es besser, man kommt frühzeitig an den Kai.