Auf der Welle des Erfolgs

Bernd Hiss - Deutscher Meister im Windsurfen & Kite-Board Entwickler

Bernd Hiss
Bernd Hiss - Deutscher Meister im Windsurfen

Er ist Autodidakt, Quereinsteiger und der beste Beweis, dass man sich den notwendigen theoretischen Überbau für eine erfolgreiche Karriere auch ohne schulische oder universitäre Begleitung erarbeiten kann. Immerhin: Bernd Hiss ist besessen. „Kitesurfen ist mein Leben“, sagt er und so muss es wohl sein, wenn man auf eher unkonventionellem Wege Ziele auf der obersten Sprosse der Leiter erreichen will. So jedenfalls hat der Fehmaraner seinen Weg in die Weltspitze gemacht und damit seiner Heimatinsel unter Kitesurfern weit über den Kontinent hinaus zu Berühmtheit verholfen. Hiss-Tec heißt das Unternehmen, das in einer unscheinbaren ehemaligen Kühlhalle am Ortsrand von Burg Kite-Boards entwickelt, baut und in 45 Länder der Welt liefert. Unter der firmeneigenen High-end-Marke Carved werden hier Boards gefertigt, deren Holzkern mit Hilfe von CNC-Maschinen bis auf Zehntel Millimeter genau gefräst und dann von einem extra entwickelten Carbon-Gewebe umhüllt und gestützt wird. Bernd Hiss: „Damit ist gesichert, dass die nur 1,2 Kilogramm leichten Carved-Boards nicht brechen und noch in zehn Jahren ihre Anfangsflexibilität haben.“ Das hat die Surf-Bretter zum Rolls Royce in ihrem Markt gemacht.

Bernd Hiss hört solche Vergleiche nicht gern, denn er macht, wie man so sagt, nicht gern dicke Backen. Aber er will doch das bestmögliche Produkt. Nicht der große Auftritt reizt ihn, wohl aber der erste Platz. Eine Philosophie, die der heute 47-jährige seit seinem Teenager-Alter lebt. Damals hat er als 14-jähriger im Keller seines Elternhauses in Burg sein erstes Surfbrett geshaped, wie Fachleute es nennen, wenn sie Schicht für Schicht abnehmen, bis das Brett seine endgültige Form erreicht hat. „Zuhause hatten wir immer nur sehr wenig Spielzeug. Ich bin oft genug in den Wald gegangen und habe mir etwas geschnitzt, z.B. Flitzebogen oder Fantasieschwerter. Ich war es eben gewohnt, mit Ideen und Ausdauer zu ganz eigenen Ergebnissen zu kommen. Und natürlich wollte ich damit erfolgreich sein.“ Einmal auf dem Wasser war seine Liebe zum nassen Element und zum Wind über den Wellen geweckt. Sie dauert bis heute an. „Ich mache das alles bei Hiss-Tec nur, damit ich möglichst oft auf dem Wasser sein kann. Das ist mein Leben“, sagt er bescheiden und bestimmt zugleich.

Der Erfolg stellte sich bald ein. 1999 wurde Bernd Hiss Deutscher Meister im Windsurfen. Und als er dann das Kite-Surfen für sich entdeckte, war sein Lebensweg endgültig vorgezeichnet. 2001 gründete er Hiss-Tec und startete in der Garage seiner Großmutter. Und weil er unter Surfern bereits einen guten Namen hatte, konnte er so manchem Crack seine neuen Entwicklungen vorstellen. Weil er sie überzeugte, ging es steil aufwärts. Heute hat er 17 Mitarbeiter, „und die beschäftige ich das ganze Jahr.“ Wer bis nach Hawaii, Kalifornien oder auch nach Australien seine High-End-Bretter verkauft, der ist vom heimischen Jahreslauf nicht mehr abhängig. Schließlich ist immer irgendwo Sommer. Und so hat Hiss-Tec volle zwölf Monate im Jahr Saison. Bei aller Weltläufigkeit seines Arbeitsalltags ist für Hiss aber klar: Er bleibt auf Fehmarn. „Es ist meine Heimat und es ist einer der besten Hot Spots auf der Welt für meinen Sport.“