„Fliegen ist seine Leidenschaft“

Heiko Harms – Pilot eines Wasserflugzeugs

Heiko Harms
Heiko Harms im Rettungsflugzeug
Heiko Harms im Cockpit der legendärenden Havilland Beaver. Das Flugzeug mit seinem 450 PS starken Sternmotor kann sowohl auf dem Wasser als auch auf einer Piste landen.

Es ist eine verzwickte Angelegenheit, wenn man in Deutschland ein Wasserflugzeug führt. So lange man schwebt, ist man ein Flugzeug, aber wenn man schwimmt und über die Wellen gleitet, dann stufen die Behörden das Gefährt als Motorboot ein. Heiko Harms ist also streng genommen ein Zwitterwesen. Er ist Pilot und Bootsführer in einem und muss sogar ein Mann-über-Bord-Manöver beherrschen. Denn mit der 450 PS starken de Havilland Beaver landet er während der Sommersaison regelmäßig auf dem Wasser der Flensburger Förde. Der rustikale 9-Zylinder-Sternmotor zieht den Klassiker unter den Wasserflugzeugen im Halb-Stunden-Rhythmus über die Halbinsel Holnis hinaus bis in die Region, in der die Förde in die Ostsee übergeht. Dabei nimmt er Touristen mit an Bord, die die Region aus der Vogelperspektive erleben wollen. 

Manchmal geht es auch mit seinen maximal vier Passagieren hinüber zu den dänischen Ochseninseln, wo man im Gasthaus auf dem größeren der beiden verträumten Eilande eine Rast einlegen kann, ehe es durch die Luft wieder zurück nach Deutschland geht. Dem 57-jährigen Piloten ist das Ziel im Grunde egal „Fliegen ist meine Leidenschaft“, erklärt er mit ruhiger Bestimmtheit – so wie man es von einem Norddeutschen erwarten kann. Und in der Tat, nichts anderes als Fliegen hat seinen Lebensweg so maßgeblich geprägt. „Schon mit 14 Jahren habe ich meinen Segelflugschein gemacht“, berichtet er und seine Augen hinter den runden Gläsern seines Brillengestells verraten, dass ihm der Frühstart heute noch gefällt. „Einmal in der Luft war mir mein erstes Lebensziel schnell klar: Ich wollte Starfighter fliegen.“

Es blieb kein Traum. Er bewarb sich bei der Marine und saß schließlich sechzehn Jahre lang in den Cockpits von Starfighter und Tornado. Wie alle Bundeswehr-Piloten absolvierte er etliche Trainingsflüge in den USA. So kam es, dass er zum Wasserflugpiloten wurde. Denn in Seattle, ganz im Nordwesten der Vereinigten Staaten, hatte er die Chance, eine entsprechende Lizenz zu erwerben – sie wurde der Grundstein für sein Leben nach der Marine. Dort schied er mit 41 Jahren aus – als Jet-Pilot ist man dann schon im Pensionsalter.

Heiko Harms bewies indes, dass Pensionäre noch recht aktiv sein können. Zunächst gründete er eine Fluggesellschaft, die Cargodienste für den Mobil-Telefonhersteller Motorola übernahm. „Später ließ ich meine Wasserfluglizenz wieder aufleben.“ Sie war die Basis für die nächste – die bisher letzte – Station seines fliegerischen Lebenswegs.

Er heuerte bei der Flensburger Clipper Aviation an. Das war vor zehn Jahren. Seither kennt er die Landschaft an der nördlichen Ostseeküste wie seine Westentasche. „Das lässt aber den Reiz nicht vergehen, den man empfindet, wenn man die Welt von oben betrachten kann“, sagt er und fährt sich zufrieden mit der Hand über den grauen Vollbart. Blickt er nach links, sieht er Dänemark, die romantischen Ochseninseln und den Hafen von Sønderborg, blickt er nach rechts, breitet sich vor seinen Augen die Halbinsel Holnis aus. Weiß blitzt das schöne Glücksburger Schloss und in der Ferne taucht die Ostseeküste von Schwansen auf. Landen darf Harms mit seiner Beaver auf allen Gewässern, auf denen auch Motorboote zugelassen sind. Das macht er hierzulande vor allem im Sommer. Im Winter fliegt er für eine indische Airline, die mit Wasserflugzeugen die Andaman-Inseln vor der Küste Burmas untereinander verbindet. Oder er geht in Dubai in die Luft – wo er wiederum Touristen zur Aussicht über das Scheichtum befördert.

Ist der Winter vorbei, schwebt Harms zuverlässig wieder in Norddeutschland ein. „Es ist und bleibt meine Lieblingslandschaft“, sagt Harms und fügt hinzu: „Ich bin ja hier geboren – das ist also meine Welt.“ Und wenn er dann einmal nicht im Cockpit „seiner“ Beaver sitzt oder Pilotenschülern die Prüfung zur Wasserfluglizenz abnimmt, dann geht er mit seiner Frau einem gemeinsamen Hobby nach: Sie fliegen und nehmen dazu Platz in einer kleineren Maschine. Gabi Harms genießt die gemeinsamen Ausflüge nicht zuletzt, weil sie in ihrem Mann auch hier einen idealen Begleiter sieht. „Er hat die Ruhe weg“, stellt sie fest. „Er lässt seinen Piloten viel Freiraum und greift wirklich nur ein, wenn es nötig ist. Das gibt einem am Steuerknüppel viel Sicherheit.“ So sagt sie niemals nein, wenn ihr Mann sie nach getaner Arbeit zu einem Rundflug über die Fördelandschaft einlädt. Mehr fliegen geht nicht.